Eindrücke vom Jahreskonzert 2019

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Jahreskonzert der Stiftung
Kurt Weill – Der Weg der Verheißung
7. Dezember 2019 – St. AegidIenkirche zu Lübeck

REDE der Stiftungsratsvorsitzenden Birgit Grasse

Sehr geehrte Damen und Herren!
Ich begrüße Sie auch im Namen der Mitglieder des Stiftungsrates der Stiftung zum 7. Dezember 1970
• Frau Dr. Bettina Greiner,
• Herrn Henning Scheve und
• Pastor Robert Pfeifer.
In diesem Jahr haben sie die Organisation für das heutige Stiftungskonzert übernommen. Herzlichen Dank dafür.
Ich freue mich, dass wir dieses Jahr turnusmäßig hier in St. Aegidien zusammenkommen. Mein Dank geht an Pastor Thomas Baltrock und Pastorin Nicola Nehmzow und alle Helfer und Unterstützer von St. Aegidien. Und vor allem natürlich an alle Interpreten und Mitwirkenden!
Im dritten Jahr der Tradition unserer Konzerte am 7. Dezember ist vieles anders. So soll es ja auch sein – immer wieder neue Aufführungs-Ideen und musikalische Schwerpunkte. Kantor Eckhard Bürger hat mit dem Bach-Chor ein ganz besonderes Musikereignis ausgesucht. Solisten und Musiker der Symphoniker Hamburg mit dazu genommen.
„Der Weg der Verheißung“ von Kurt Weill mit dem Libretto von Franz Werfel.
Zwei jüdische Künstler im Exil schaffen, zusammen mit dem großen Theatermann Max Reinhardt, dieses „jüdische Oratorium“. In New York kommt es zur Uraufführung – 1937!
1937 – da lebt auch Willy Brandt im Exil – in Norwegen. Und reist als politischer Beobachter und Journalist nach Spanien, um über den Spanischen Bürgerkrieg zu berichten.
„Ich wollte die Negation des Hitlerregimes, was nur mit etwas Positivem zu erreichen ist“, schreibt der Dichter Franz Werfel über das von ihm verfasste Oratorium „Der Weg der Verheißung“.
Und weiter schreibt er:
‚The Eternal Road’ ist eine positive Antwort auf all die Wut, den Hass und die Erniedrigung unserer Zeit“.
Die Wut, der Hass, die Erniedrigung – warum klingt das so bestürzend aktuell?
Weil es an den beunruhigenden Antisemitismus gemahnt, den furchtbaren Anschlagsversuch in Halle, den wir erst jüngst erleben mussten.
Es klingt so bestürzend aktuell, weil wir der Gefährdungen unserer Demokratie innewerden, eben dem drohenden Rückfall in Wut, Hass und Erniedrigung.
Die Künstler Kurt Weill, Franz Werfel und Max Reinhardt halten trotz der Barbarei, die sie ins Exil getrieben hat, fest am „Weg der Verheißung“.
Sie beweisen den Mut zum Wagnis – zum Aufbruch ins Ungewisse, zum künstlerischen Wagnis dieses Oratoriums.
Auch der 7. Dezember 1970 war ein Wagnis. Mit seinem Kniefall in Warschau hat Willy Brandt eine Demutsgeste gewagt.
Getragen von
• der Verheißung der Versöhnung zwischen einst verfeindeten Völkern,
• der Verheißung einer friedvollen Zukunft in Freiheit –
• eben den Verheißungen der Demokratie.
Wir dürfen und müssen jeden neuen Tag dankbar sein für Frieden und Freiheit und eine funktionierende demokratische Wertegemeinschaft im vereinten Europa.
Aber, meine sehr geehrten Damen und Herren, wir müssen auch beunruhigt sein!
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das am 30. Oktober 2018 hier in Lübeck bei seiner Willy Brandt-Brandt-Rede eindrücklich formuliert:
„Willy Brandts “mehr Demokratie wagen” – dieser Satz war ganz sicher ein Signal des Aufbruchs, und so wurde er 1969 fast ausschließlich wahrgenommen. Doch heute erkennen wir vielleicht schärfer, dass zweierlei in diesem Wörtchen ““wagen“” steckt: Versprechen und Verheißung, ja, aber auch ein Moment von Unsicherheit und Risiko.“
Denn Willy Brandt wusste, dass Demokratie scheitern kann. Und so sagt er denn in seiner ersten Regierungserklärung 1969:
„Die Regierung kann in der Demokratie nur erfolgreich wirken, wenn sie getragen wird vom demokratischen Engagement der Bürger.“
Auch heute ist Demokratie in erster Linie ein Versprechen, und kein Endzustand, und dieses Versprechen richtet sich an Sie und mich, an immer neue Generationen: an junge Menschen, an Schüler, Auszubildende, Studenten.
Dass wir alle, wir als Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik das Wagnis der Demokratie alle Tage eingehen, wäre gewiss ganz im Sinne Willy Brandts. Da bin ich sicher.
Die Demokratie als Versprechen und Verheißung. Das ist sein Vermächtnis.
In diesem Sinne möchte unsere Stiftung mit Ihnen allen zusammenstehen und Zeichen setzen.
Gegen die Feinde der Demokratie.
Gegen Antisemitismus.
Gegen Ausgrenzung.
Gegen Wut.
Gegen Hass.
Gegen Erniedrigung.

Auch deshalb gibt es dieses Konzert am 7. Dezember.
Ich danke Ihnen.

Wir danken Christoph Brauer, der uns die Fotos zur Verfügung gestellt hat.

Neben Birgit Grasse sprach auch Dr. Bettina Greiner, Mitglied des Stiftungsrates und Leiterin des Willy-Brandt-Hauses in Lübeck.

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