Herzlich Willkommen zum Jahreskonzert am 7.12.2019

Kurt Weill – Der Weg der Verheißung
7. Dezember 2019 – St. AegidIenkirche zu Lübeck 19:00 – 22:00 Uhr
Aegidienkirchhof 1-3 , 23552 Lübeck

Sie ist nicht nur ehrwürdig und wunderschön, die St. Aegidienkirche zu Lübeck, sie bildet auch einen wunderbaren Klangkörper. Also das perfekte Konzerthaus für die Jahresveranstaltung unserer Stiftung.
Ecsm_st_aegidienkirche_seiteneingang_ab4121dd0ds ist 49 Jahre her, als der frühere Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt vor dem  Mahnmal in Warschau niederkniete und damit ein Zeichen für Frieden und Aussöhnung setzte und den Stifter Rolf Grasse nachhaltig prägte. Eine Geste, die fast ein halbes Jahrhundert danach an Aktualität nicht verloren hat. Mit diesem Konzert erinnern wir  an dieses friedensbringende Ereignis.
Genießen Sie mit uns die Schönheit des Gotteshauses und das das Konzert mit den Symphonikern Hamburg, dem Lübecker Bach-Chor und verschiedenen Solisten. Die Leitung hat Kirchenmusiker Eckhard Bürger
Der Eintritt ist frei. Platzreservierungen sind leider nicht möglich.
Sie sind herzlich eingeladen und wir freuen uns auf Ihr Kommen.

 

Ihre Birgit Grasse
Stiftungsratsvorsitzende

 

Die Einladung:
Ein Klick genügt einladung-und-plakat

Erläuterungen:
Der Weg der Verheißung ist ein jüdisches Oratorium in mehreren Akten von Franz Werfel und Kurt Weill, das erstmals 1937 in New York in englischer Übersetzung unter dem Titel The Eternal Road aufgeführt wurde. Regie führte damals Max Reinhardt. Die deutschsprachige Erstaufführung fand erst im Jahr 1999 in Chemnitz statt.

Mit einem Klick können Sie einen Blick in die Aufführung werfen, die 2000 in Chemnitz  die Menschen begeisterte.

https://www.operaonvideo.com/der-weg-der-verheissung-weill-chemnitz-2000-adam-vogel-lorenz/

Kurze Info zur Erstaufführung und Reproduktion durch die Kurt Weill Foundation:

https://www.youtube.com/watch?v=hGF59K1INcs

Und hier geht es zur Internetseite der St. Aegidienkirche zu Lübeck

https://www.aegidien-kirche-luebeck.de

Eine Zusammenfassung des Konzertes von Eckhard Bürger, Kirchenmusiker von St. Aegidien:

Liebe Konzertbesucher!

 

Willy Brandt Kniefall ist die Brücke zwischen einer dunklen Vergangenheit und einer hoffentlich über Jahrhunderte andauernden wahrhaftigen Gegenwart. Um diese Erinnerung zu erhalten, wurde die „Stiftung zum 7. Dezember 1970“ gegründet. Es ist eine Treuhand Stiftung der „4 Viertel-Stiftung Kirchenmusik der vier Lübecker Innenstadtgemeinden“. In einem jährlichen Wechsel soll ein kirchenmusikalisches Konzert stattfinden, ein Konzert, das immer wieder neu gestaltet werden muss und damit immer wieder neues Erinnern und Nachdenken auslösen soll. Es gibt keinen besseren Ort – auch für spätere Generationen -, um dieses Nachdenken in einer der bedeutenden Lübecker Innenstadtkirchen mit Kirchenmusik im Kontext des christlichen Glaubens anzuregen.

 

Der in Lübeck geborene frühere Bundeskanzler Willy Brandt schrieb in seinen „Erinnerungen“ zum seinem Besuch in Warschau 1970:

 

Es war eine ungewöhnliche Last, die ich auf meinem Weg nach Warschau mitnahm. Nirgends hatte das Volk, hatten die Menschen so gelitten wie in Polen. […] Auf dem Weg nach Warschau lag die Erinnerung an sechs Millionen Todesopfer. Lag die Erinnerung an den Todeskampf des Warschauer Ghettos [und den] heroischen Aufstand der polnischen Hauptstadt einige Monate danach.

Das Warschauer Programm sah an dem Morgen nach meiner Ankunft zwei Kranzniederlegungen vor, zunächst am Grabmal des Unbekannten Soldaten. Dort gedachte ich der Opfer von Krieg und Verrat. Auf die Bildschirme und in die Zeitungen der Welt gelangte das Bild, das mich kniend zeigte – vor jenem Denkmal, das dem jüdischen Stadtteil und seinen Toten gewidmet ist. Immer wieder bin ich gefragt worden, was es mit dieser Geste auf sich gehabt habe. Ob sie etwa geplant gewesen sei? Nein, das war sie nicht. […] Ich hatte nichts geplant, aber Schloß Wilanow, wo ich untergebracht war, in dem Gefühl verlassen, die Besonderheit des Gedenkens am Ghetto-Monument zum Ausdruck bringen zu müssen. Am Abgrund der deutschen Geschichte und unter der Last der Millionen Ermordeten tat ich, was Menschen tun, wenn die Sprache versagt.  

Ich weiß es auch nach zwanzig Jahren nicht besser als jener Berichterstatter, der festhielt: „Dann kniet er, der das nicht nötig hat, für alle, die es nötig haben, aber nicht knien – weil sie es nicht wagen oder nicht können oder nicht wagen können.“

Zu Hause in der Bundesrepublik fehlte es weder an hämischen noch an dümmlichen Fragen, ob die Geste „überzogen“ gewesen sei. Auf polnischer Seite registrierte ich Befangenheit. Am Tage des Geschehens sprach mich keiner meiner Gastgeber hierauf an.

Willy Brandt, Erinnerungen, 1989, S. 214-215

 

Das Gedenken an diese versöhnende Geste von Bundeskanzler Willy Brandt am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal für die Opfer im Jüdischen Ghetto in Warschau wollen wir heute mit einem außergewöhnlichen Werk tun. Das große Bibelspiel oder Theater-Oratorium von Franz Werfel (Text) und Kurt Weill (Musik) „Der Weg der Verheißung“ reiht sich ein in die Kulturgeschichte der europäischen und amerikanischen Juden. Es ist ein Markenstein auf dem Weg zu einem eigenen jüdischen Staat und manifestierte die Sehnsucht nach einem eigenständigen kulturellen Raum. Zur Weltausstellung 1933 in Chicago inszenierte der Zionist, Journalist und Herausgeber Meyer Wolf Weisgal (1894 – 1977) einen riesigen Festzug mit ca. 15.000 Menschen unter dem Titel „The Romance of a People“ zur jüdischen Geschichte. Daraus erwuchs die Idee, dieses Thema in großem Format auf die Opern-Bühne zu bringen. Max Reinhard, der große Regisseur, war gerade aus Deutschland vertrieben worden und schien der richtige Mann für dieses Thema zu sein. Er wiederum engagierte Franz Werfel und Kurt Weill, um im Auftrag der Produktionsfirma Meyer Weisgals ein großes Theater-Oratorium „Der Weg der Verheißung“ in englischer Sprache auf die Bühne am Broadway in New York zu bringen. Das seit mehreren Jahren stillgelegte Opernhaus wurde eigens restauriert und für diese Produktion wiederbelebt. Nach etlichen Monaten der aufreibenden Probenarbeit und einem Konkurs kurz vor der ersten angesetzten Premiere konnte das Stück schließlich am 4. Januar 1937 die Premiere erleben. Max Reinhard hatte die ursprünglichen etwa sechs Stunden Dauer auf gut die Hälfte gekürzt und mit seiner Inszenierung dem Stück zu einem großen Erfolg verholfen. Die Menge der Mitwirkenden war gigantisch, das Bühnenbild und der technische Apparat noch nie so aufwändig gestaltet. Trotzdem erfüllte sich der Traum nicht, mit diesem Werk Geld einzuspielen, das der Unterstützung von europäischen Juden dienen sollte. Nach 153 Vorstellungen innerhalb von nur acht Monaten musste das Stück abgesetzt werden und geriet in Vergessenheit. Erst zum 100. Geburtstag von Kurt Weill im Jahr 2000 wurde das Stück neu entdeckt und für Bühnen-Produktionen und Konzert-Aufführungen vorbereitet. Seither erklang das Stück in Chemnitz, Dessau, Halberstadt, Wien und Berlin, New York, Tel Aviv, Krakau und Bremen.

 

Franz Werfel setzt in seinem Libretto eine Rahmenhandlung vor die Erzählung der großen Geschichten des Alten Testamentes: Eine jüdische Gemeinde ist eines Abends gezwungen, sich in der Synagoge zu versammeln, weil ein Pogrom droht. In diesen Stunden nun erzählt der Rabbi die alten Geschichten des jüdischen Volkes und bespricht diese mit seiner Gemeinde. Er beginnt mit der Verheißung an Abraham, erzählt von Mose und gelangt bis zur Jeremia. Immer wieder wird er durch einen Widersprecher provoziert und gereizt. Ein Knabe von 13 Jahren, der gerade seine religiöse Mündigkeit im jüdischen Verständnis, die Bar Mizwa, erreicht hat, kennt all die Geschichten nicht, denn er wuchs liberal und assimiliert auf. Er nimmt auf unvoreingenommene Weise an den Geschichten Anteil. Das Werk schließt mit der Hoffnung auf einen Messias, als gerade der Widersprecher beim Retten der Tora-Rollen sich als der Rabbi ausgebend von eindringenden Bewaffneten erschossen wird.

 

Die heutige Aufführung ist auf die Dauer von einer Stunde gekürzt worden und basiert auf der konzertanten Fassung von Ed Harsh.

 

Eckhard Bürger, Kirchenmusiker St. Aegidien Lübeck


Ein Kommentar zu “Herzlich Willkommen zum Jahreskonzert am 7.12.2019

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    herzlichen Dank für die Einladung zu Ihrer Veranstaltung „Stiftung zum 7.Dezember 1970“
    Gern kommen meine Frau und ich zum Konzert in St. Aegidien .

    Mit freundlichen Grüßen
    Peter Nordmann

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