STIFTUNG ZUM 7. DEZEMBER 1970

Liebe Leserin, lieber Leser,
ich möchte Sie interessieren, nein besser gesagt begeistern für meine Idee und meine Vision, die „STIFTUNG ZUM 07.DEZEMBER 1970″ ins Leben zu rufen. Sie soll die immerwährende Erinnerung an ein Ereignis sein, das für Aussöhnung steht und für uns in Europa und darüber hinaus eine wichtige Grundlage für inneren und äußeren Frieden, Freiheit, Wohlstand und Demokratie geworden ist. Die Stiftung, die ich gegründet habe, soll eine der besonderen Art sein und darum ist das folgende Vorwort auch eher ein wenig außergewöhnlich, anders, als man Texte dieser Art landläufig gewohnt ist. Das ist meinem Wunsch geschuldet, dass die Stiftung auch in den künftigen Generationen junge Menschen ansprechen soll, denen dieses besagte Ereignis möglicherweise nicht mehr präsent ist oder nie war. Ich möchte meine ganze Kraft dafür einsetzen, dass meine Begeisterung für die Stiftungsidee über viele Jahrzehnte weitergetragen wird.
Hand aufs Herz: Wissen Sie noch aus dem Stand, was am 7. Dezember 1970 geschah und welche Bedeutung dies bis heute für uns alle noch hat? Ja? Nein?
Wenn es Sie interessiert, was an diesem Tag passiert ist, und Sie wissen wollen, warum ich mich für diese Stiftung engagiere und welche Motive mich umtreiben, dieses damalige Ereignis in der Erinnerung der Menschen „am Leben“ erhalten zu wollen, nehme ich Sie jetzt gerne mit auf eine ganz persönliche Zeitreise.
Wir reisen als erstes zum 7. Dezember 1970.
Wir sind nicht in Lübeck, nein, wir sind weiter östlich, in Warschau. Es ist bedeckt, die Luft ist winterlich kalt und feucht, als der frühere Bundeskanzler Willy Brandt die polnische Hauptstadt besucht. Wir befinden uns mitten in der Zeit des sogenannten Kalten Krieges. Besuche dieser Art gehören noch lange nicht zur Normalität. Die Vorbehalte der Regierungen und auch der Menschen in beiden Ländern gegenüber den jeweils anderen sind noch sehr groß. Die Zeit ist im wahrsten Sinne des Wortes explosiv und spannungsgeladen. Die Delegation aus dem westlichen Deutschland ist in die polnische Hauptstadt gekommen, um einen Vertrag zu unterzeichnen, den Grundlagenvertrag, der später als einer der beiden Ostverträge in die Geschichte eingehen wird. Er soll das Verhältnis beider Staaten zueinander regeln. Zuvor treten Willy Brandt und seine Begleitung vor das Mahnmal der Opfer des Warschauer Ghettos, ein Mahnmal, das an die Gräueltaten des Nazi-Regimes erinnert: Kranzniederlegung, ganz nach dem üblichen Protokoll. Ein kurzes Verharren des Kanzlers und dann geschieht das Unerwartete, eigentlich das Unfassbare. In einer fast biblischen Geste sinkt Willy Brandt auf die Knie. Eine Geste, ein Bild, das um die Welt geht und später als wichtiges Symbol einer neuen Ostpolitik bezeichnet werden wird. Damals hielt nicht nur die „bundesdeutsche Welt“ den Atem an.

Rolf Grasse, im Dezember 2014


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